Lloseta liegt östlich der geographischen Mitte der
Sierra de Tramuntana.
Mit seinen 5.000 Einwohnern gehört es eher zu den schlichten
Dörfern Mallorcas. Viele der Llosetines waren schon
früher das karge Lebe auf dem Land leid und verlegten
ihren Arbeitplatz von den Oliven- und Mandelhainen an die
Küste. In den Bars, Restaurants und Hotels war es angenehmer,
Geld zu verdienen, als auf dem elterlichen Hof.
Die Poststation Can Tofler war früher Rastplatz für
die Fahrgäste der Postkutschen, die Pferde und für
die Reiter. Erst später wurde die Strasse zwischen
Alaró
und Lloseta in den Berg gesprengt. Nachdem sie in jedem
Reisebuch erwähnt wird, ist sie zur Rennstrecke der
Fahrerturisten geworden. Es gibt Anhaltspunkte dafür,
dass das fruchtbare Land um die Gemeinde der Mancomunidad
Es Raiguer von der prehistorischen bis zur arabischen Zeit
kontinuierlich besiedelt gewesen ist. Während der arabischen
Herrschaft gehörte die Gegend dem Distrikt des Hus
S´Arranjussa an. Nach der Reconquista durch König
Jaume I 1229 ging es zusammen mit Binissalem
an die Familie Rubines.
Im XV. Jahrhundert wurden die Llosetines von der Pest heimgesucht.
Davon erholte sich die Gemeinde mehrere Generationen lang
nicht. Erst im XVI. Jahrhundert konnten in der Stadt wieder
reiche Ernten verzeichnet werden. Das Ackerland, die Wälder
und die Plantagen wurden unter 75 Posedors, Gutsherren,
aufgeteilt. Im XVII. Jahrhundert sind erstmals kleine Handwerkstreibende
verzeichnet. Unter den zunehmend verbesserten Bedingungen
konnten die Llosetins auch mit dem Bau der Kirche beginnen.
Sie wurde 1711 eingeweiht und Lloseta ist seitdem eine von
Binissalem
unabhängige Pfarrei. Zum Dank für die überstandene
Pestepidemie wurde La Mar de Deu zur Schutzpatronin von
Lloseta. Ein Fest zu ihren Ehren gibt es jährlich am
8. September.
Die Legende der Virgen del coco geht dagegen bis in das
XIII. Jahrhundert zurück. Die Bevölkerung ehrt
die Heilige Jungfrau an jedem ersten Mittwoch nach Ostern.
Das Fest dauert 1 Woche und spielt sich an der Avenida neben
den Bahngleisen ab. Die Geschichte der Jungfrau del coco
deckt sich mit vielen anderen auf der Insel. Schon in der
römischen Zeit Mallorcas gab es eine christliche Gemeinschaft.
In Anbetracht der übermächtigen Besatzungen fanden
religiöse Versammlungen nur noch im Geheimen statt.
Auch viele Reliquien veschwanden im Untergrund. Nach der
Reconquista tauchten sie nach und nach aus dem Verborgenen
auf. So wurden setsame schwarze Madonnen gefunden. Die Erklärung
für ihren heidnischen unchristlichen Teint ist simpel:
Sie hatten die Besatzungszeit gut vesteckt im Kamin überstanden.
Trotzdem rankten sich über ihr Entstehen abendteuerliche
und wundersame Legenden.
Die Entstehung und Entwicklung der grossen Possesionen Llosetas
verliefen ähnlich wie die der anderen Landgüter
am Fusse oder in der Sierra de Tramuntana. Viele der Adligen
waren der Aufgabe als landwirtschaftliche Unternehmer nicht
gewachsen und verkauften ein Stück Land nach dem anderen.
Die Dekadenz des Adels brachte den fleisigen Bauern Wohlstand.
Viele konnten mit der Zeit ihren ehemaligen Herren die Possesion
mit den Gebäuden abkaufen. Wegen seinen Bauern gehört
Lloseta zu den ersten Dörfern der Insel mit eigener
Elektrizität und eigenem Kino.
Im Jahre 1875 wurde die Zugstrecke Palma-Inca
eröffnet. Kurze Zeit später entstanden in Lloseta
die ersten Schuhmanufakturen. Der Export der Schuhe ging
an das spanische Festland und sogar in die spanischen Übersee-Besitzungen.
Heute sind besonders die Berg- und Wanderstiefel der Familie
Bestard bekannt, die ausserhalb der Gemeinde eine Fabrik
errichtet hat.
Länge: 4´57 Min.