Was gibt es Schöneres als durch Palma zu flanieren. Im Frühjahr
duftet die Luft nach Lavendel nach kühlen und klammen Wintertagen,
die schon dem Komponisten Frédérik Chopin in Valldemossa
zu schaffen machten. Im Sommer flirrt die Hitze auf dem Asphalt. In den
Morgenstunden sind alle auf den Beinen, um der glühenden Mittagshitze
zu entgehen. Und im Herbst und Winter kehrt Ruhe auf den Strassen ein.
Die Stadt gehört wieder den Palmesanern, die richtige Zeit, um die
Boulevards Schritt für Schritt zu erkunden, stehen zu bleiben und
auf sich wirken zu lassen.
Der Platz vor der Kathedrale mit seinem künstlich angelegten Wasserbecken
und seinen modernen Skulpturen steht im krassen Gegensatz zur altehrwürdigen
Kirchenanlage.
Doch ganz Palma scheint aus Widersprüchen zu bestehen, historisch auf der
einen, jung und modern auf der anderen Seite, Eigenschaften, die sich nicht ausschliessen
sondern perfekt ergänzen und so das Charisma der Stadt ausmachen.
Der Passeig des Born ist heute nicht nur Flaniermeile. Er gehört auch zu
den Verkehrsadern Nummer 1 in Palma, fast unvorstellbar, dass sich hier und weiter
oberhalb an der Rambla den Passanten vor einem halben Jahrtausend ein ganz anderes
Bild bot. Im Oktober 1403 rauschte hier nach heftigen Regenfällen ein reissender
Sturzbach quer durch Palma. Er zerstörte 1500 Häuser, knapp 5000 Menschen
kamen ums Leben. Die Schneisse, die die Gota fría in den unbefestigten
Boden frass, reichte von der heutigen Rambla über die Calle Unión
bis zum Borne hinunter bis zum Almudainapalast und schliesslich zum Meer. Der
Schock sass tief. Man war sich einig, der Fluss musste umgeleitet werden. Doch
erst 200 Jahre später, 1620, folgte der seinem neuem Lauf. Das alte Bett
blieb aber bestehen und brachte die beiden Boulevards hervor, die Rambla und
den Passeig des Born, die Prachtstrassen Palmas.
Kunst und Blumen, Autos und Menschen bevölkern die Rambla; sie versprüht
einen zwiespälltigen Charme, zwischen abgeblättertem Schick und authentischem
Reiz einer mediterranen Grosstadt.
Wer ist die Schönste im ganzen Land? Die Frage vom Anfang beschäftigt
uns wieder. Doch auch beim angestrengten Blick in den Brunnen mit seiner spiegelgleichen
Wasseroberfläche bleibt es still. Die Frage muss sich jeder Spaziergänger
selbst beantworten.
Länge: 3´36 Min.